Samstag, Juni 18, 2005

Poesiealbensprüche

Wer kennt sie nicht, die Pastell-farbenen, mädchenhaft anmutenden Büchlein, Pflichtbestandteil einer Volkschul-Schultasche, die allen aktuellen besten Freundinnen und Freunden mit nachhause gegeben werden, auf dass die zarten Seiten mit aufmunternden, lieblichen und immerzu gültigen Sprüchen gefüllt werden! Wer hat nicht selbst zumindest einmal eine Poesiealbenseite beschrieben, bemalt und verziert, auf dass der/die Besitzer(in) einen niemals vergesse! Wer kannte bisweilen keinen Spruch auswendig und griff zu einer gegen Geld erwerbbaren Sammlung an besonders persönlichen und individuellen Sprüchen, um seine besondere Wertschätzung gegenüber dem/r Adressaten/in auszudrücken? Doch wer weiß schon, von wem ursprünglich all die gesammelten Sprüche stammen, welcher Dichter oder Dilettant sich für alle Zeiten in ihnen verewigt hat?

Hier ein Beispiel für einen Spruch und seine Herkunft, welche mir heute zufällig eröffnet wurde:

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Hab Sonne im Herzen, ob´s stürmt oder schneit,
ob der Himmel voll Wolken, die Erde voll Streit.
Hab ein Lied auf den Lippen, verlier nie den Mut,
hab Sonne im Herzen, und alles wird gut.

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Es sollte sich herausstellen, dass dieses Stammbuchsprüchlein nur eine Kostprobe aus einem Gedicht ist, welches von dem deutschen, heute vergessenen Lyriker Caesar Otto Hugo Flaischlen stammt:

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Hab Sonne im Herzen,
ob's stürmt oder schneit,
ob der Himmel voll Wolken,
die Erde voll Streit!
Hab Sonne im Herzen,
dann komme, was mag!
das leuchtet voll Licht dir
den dunkelsten Tag!

Hab ein Lied auf den Lippen,
mit fröhlichem Klang
und macht auch des Alltags
Gedränge dich bang!
Hab ein Lied auf den Lippen,
dann komme, was mag!
das hilft dir verwinden
den einsamsten Tag!

Hab ein Wort auch für Andre
in Sorg und in Pein
und sag, was dich selber
so frohgemut läßt sein:
Hab ein Lied auf den Lippen,
verlier nie den Mut,
hab Sonne im Herzen,
und alles wird gut!
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