Montag, September 05, 2005

Positiv vs. Negativ

Dies ist eine Liste an positiven sowie negativen Eindruecken (Erfahrungen) vom Reisen und Leben in Vietnam, die wenn moeglich ergaenzt werden soll.

-------- Man wirft mich gerade raus aus dem Internet-Bereich, ich werde also nur stichwortartig (und vermutlich teilweise unterverstaendlich) die wichtigsten Punkte erwaehnen. --------

Was mir bisher positiv aufgefallen ist:
1.) Gewoehnung an das Klima. Nach ueber 10 Stunden Flug bei angenehmen Temperaturen danke Klimaanlage kommen wir erstmals am Flughafen von Saigon in Beruehrung mit dem lokalen Klima (am Umsteigehafen Bangkok haben wir das Flughafengelaende nicht verlassen), nachdem wir ueber eine Treppe aus der Maschine gestiegen sind und unsere ersten Schritte auf der asphaltierten Landebahn machen: Es ist, wie erwartet, heiss und feucht. Aber so trocken und wertfrei war nicht der erste Eindruck, sondern eher: *klatsch*, ein Klumpen Luft nach dem anderen wird uns entgegengeschleudert. Luft, die man in Scheiben schneiden kann, so dick, so schwer scheint sie auf den Lungen zu lasten. Ich fuehle mich beim Einatmen gleich um ein paar Kilogramm schwerer. Atmen ist schwierig. Erste Bedenken kommen auf. Doch wie sich spaeter herausstellen sollte, hat der Kreislauf (oder zumindest unser Kreislauf) die erstaunliche Faehigkeit, sich auch solchen Bedingungen (insbesondere der Feuchtigkeit) anzupassen. Schon nach wenigen Stunden merken wir nichts mehr von der ersten umwerfenden Hitze und den Luftbrocken, die ich glaube erst zerkauen zu muessen, bevor sie die Lunge erreichen duerfen. Die Hitze in Saigon wird immer ertraeglicher. Zwar schwitzen wir uns natuerlich waehrend unseres ganzen Aufenthaltes durch alle T-Shirts durch, doch das wird zur Gewohnheit. Und es ist immer wieder schoen zu beobachten, dass ein Organismus kein starrer, unflexibler Koerper ist, sondern die aufgenommenen aeusseren Reize verarbeitet und gegebenenfalls eine Anpassung vornimmt.
2.) Ueberqueren der Strasse / Verkehr.
3.) Freundlichkeit der Menschen.
4.) Verstaendigung. Die meisten Menschen, mit denen wir in Kontakt gekommen sind, sprechen ein halbwegs brauchbares und kommunikationsfaehiges Englisch, ansonsten waeren wir mit unseren mangelhaften Sprachkenntnissen, was das Vietnamesische anbelangt, wohl nicht sehr weit gekommen. Bei einem Grossteil beschraenkt sich das Englisch zwar nur auf ein "Motobike?", "Postcards?" oder "Look, look, very nice!", doch da, wo es wichtig ist, scheinen Vietnam uns seine Bewohner sehr gut mit der Noch-Weltsprache ausgestattet zu sein. Kaum eine Speisekarte war nicht auf Englisch uebersetzt, und wenn doch, gab es eine Touristenkarte extra (mit an westlichen Standard angeglichenen Preisen?). Eigentlich laesst es sich also mit Englisch in Vietnam sehr gut reisen, auch in allen besuchten Hotels wurden wir und unsere Wuensche immer verstanden. Dennoch Verweis auf Punkt 1 der negativen Bemerkungen.
5.) Versorgung mit Essen und Guetern.
6.) Haupt(?)Beschaeftigung der Menschen.
7.) Touristenvorkommen.
8.) Bettler und Strassenkinder.

Was mir bisher negativ aufgefallen ist:
1.) Beherrschung der Sprache. Ich kann kein Vietnamesisch. Xin chao, Tam biet und das war's auch schon. Fahre niemals in ein Land, in dem du dich nicht einmal fuer eine (un)bezahlte Leistung bedanken kannst. Mir ist Vietnam in dieser Hinsicht eine Leere. Stets "Thank you" sagen zu muessen und auf ein "Hello" und "Goodbye" auszuweichen, weil man nicht weiss, wie die Aussprache sich gestalten koennte, ist mir unangenehm. Diese Erfahrung moechte ich nicht noch einmal machen.
2.) Trinkwasser. Trinkbares Wasser, nicht Leitungswasser, hierzulande sind das zwei ganz unterschiedliche Dinge. Wasser aus der Leitung soll von Touristen nur zum Zaehneputzen, Waschen etc. verwendet werden, aber bloss nicht zum Trinken, allzu viele Krankheiten koennen darueber eingefangen werden. Zum Trinken gibt es das koestliche "La Vie", "joy", "Lover", "Tri" und andere Marken, ueberall erhaeltlich vom grossen Supermarkt bis hin zu den kleinsten Moped-Einzelteile-verkaufenden Haendler, zu recht unterschiedlichen Preisen. Das Etikett auf den Plastikflaschen verraet weniges ueber den "Herstellungsvorgang" dieses trinkbaren Wassers: Gewonnen durch reverse Osmose, sterilisiert mit UV-Licht und Ozon vergeht mir schon beim Lesen jeglicher Appetit bzw. Durst. Doch man muss trinken und schuettet daher dieses geschmacklose H2O die Rax-Alpenwasser-verwoehnte Kehle hinunter, schluckt und hofft, dieses so ungesund anmutende Wasser richtet im Koerper nicht mehr Schaden an als es nutzt.
3.) Abfallbehaelter.Vietnams Bewohner scheinen Mistkuebel fuer ueberfluessig zu halten. Zumindest konnte ich in kaum einer Stadt oder einem Dorf einen finden, um Verpackungshuellen, leere Wasserflaschen, Fruchtschalen, Plastiktueten und aehnliches zu entsorgen. Was machen die Vietnamesen nur mit dem anorganischen (naja, nicht ganz korrekt, ich weiss) Mist? Kokosschalen, Zuckerrohrstangen, Bananenschalen landen im Strassengraben oder im Gebuesch, ebenso Papierprodukte. Doch ein anstaendiger Tourist scheut sich davor, Mist in die Natur oder auf Beton zu werfen, eifrig sieht er sich um, wo er denn seine Coladose loswerden koennte und findet - nichts. Nur in Hue, der alten Kaiserstadt, in der Mitte von Vietnam, sind alle 20 Meter Plastikmistkuebel mit dem bekannten Wegwerf-Maennchen aufgestellt, aber auch nur um die Verbotene Stadt herum, DER Touristenattraktion. In Saigon, Hanoi kann man stundenlang durch die Altstadt wandern, endlose Einkaufsmeilen entlang, an unzaehligen Geschaeften vorbeispazierend, ohne jemals einen Mistkuebel zu finden. Allerdings wird man hie und da einen Blick erhaschen auf in oranges Plastik gekleidete Weiblein, die mit Strohhut, Mundmaske (Schutz vor Sonne oder Gestank?) und Besen bewaffnet versuchen, den Strassen ein wenig den Schmutz zu nehmen.