Freitag, Dezember 23, 2005

Persönliches Nachdenkspiel

Rechts vor mir liegen drei Weihnachtsgeschenke. Zwei sind auch als solche deklariert worden, eines aber als ein Nichtweihnachtsgeschenk, ungeschickt getarnt, wenn ich mir das Geschenkpapier genauer ansehe (goldene Sterne auf dunkelrotem Grund). Da scheint es gar nichts zu nützen, dass ich wie jedes Jahr rechtzeitig verkündet habe, Weihnachten nicht zu feiern. Alles mache ich trotzdem mit: Ich werde beschenkt, ich verschenke (sollte eigentlich kein Weihnachtsgeschenk sein, aber ich vermute, dass es falsch aufgenommen wurde, was in Anbetracht der Rahmenbedingungen auch verständlich ist) und ich gerate auch noch in Weihnachtsstress.

Selber schuld, wer am 22. Dezember glaubt, auf der Mariahilferstraße seelenruhig einen Korkenzieher erwerben zu können. Jenes Gerät benötige ich für meine Arbeit am 25. Dezember im Restaurant eines renommierten Hotels in Wien. Ein Paar frisch polierte, schwarze Schuhe, eine schwarze Hose, eine weiße Bluse, ein schwarzes Mascherl (Fliege), Kugelschreiber, Notizblock, Feuerzeug und Lächeln habe ich schon geliehen oder erworben, heute sollte der Korkenzieher meine Ausstattung vervollkommnen. Im ersten Geschäft, einem Messergeschäft, fallen mir fast die Augen aus dem Kopf: Das handliche Gerät mit einem Korkenzieher, einem kleinen Messer zum Aufschneiden der Weinkapsel und einem Bieröffner, im gesamten unter "Kellnermesser" bekannt, kostet "nur" 19,80 Euro. Raus hier.

Im WMF-Laden fallen mir dann wirklich die Augen aus dem Kopf: Ich kann zwischen zwei Modellen wählen, das teuere kommt auf 44 Euro, das billigere auf 33 Euro. Ich überlege hin und her: "... Eigener Haushalt ... Investition in die Zukunft ... hält sich ein Leben lang ...", "Kellnermesser - 33 - Kellnermesser - 33 - ... " - *surr* - "Inkompatibel", spuckt der Rechner aus. Ich sage brav "Dankeschön." und verlasse desillusioniert das Geschäft.

Erst die Haushaltsabteilung im Gerngroß schafft es, mich wieder aufzumuntern: 8,90 Euro für ein Cromargan-Kellnermesser der Marke WMF (anderes Modell als vorher). Ich schließe einen Kaufvertrag ab - nun bin ich für den 25. Dezember ausgestattet.

Bevor ich aber an jenem Datum mit 4 Tellern auf einem Arm oder einem Tablett mit 8 Getränken durch Räume balancieren darf (mit dem Ziel, möglichst wenige Gäste anzuschütten), werde ich heute ganz- (07:00-18:00) und morgen halbtags (07:00- ) Fische verkaufen.

Hier beginnt das Spiel: Warum darf es nur so wenig Weihnachtsferien (im Sinne von "Ferien") wie möglich geben?
Ich bedanke mich bei M., auf diese Frage aufmerksam gemacht worden zu sein.
Ich gebe S. Recht, ein unbeschäftigter Geist denkt zuviel nach.
Ich stimme J. zu, dass Verdrängung keine Lösung ist.