Google spuckt aus
Ein Gedanke fällt zu Boden, man klaubt ihn auf, betrachtet ihn neugierigen Blickes und wälzt ihn dann einige Stunden lang durch die Gehirnwindungen bis man in eine Sackgasse, an einen toten Punkt gelangt ist, um dann die Suchmaschine Google zu befragen in der Hoffnung, sich, entlang einer Assoziationkette spazierend, inspiriert in neuen Gedankengefilden niederlassen zu können - etwas, das ich oft mache. Die Produkte dieser geistigen Tätigkeiten werden meistens fein säuberlich zusammengekehrt, geschlichtet und recycelt. In seltenen Fällen nur finden sie Einlass in die schriftliche Welt, wie jetzt zum Beispiel.
Wer ist nicht schon einmal gefragt worden, wo der Mittelpunkt seiner Lebensinteressen situiert ist? Dieser Ausdruck, vor allem in amtlichem Zusammenhang mit Behörden und Bürokratie gebräuchlich, schwirrte in mir herum und ließ mich rätseln: Wie definiert sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen? Ist es der Ort, an dem ich zu einer bestimmten Zeit lebe? Ist es die Heimat, in der ich geboren wurde, wo meine Verwandten leben? Ist es der Platz, an dem ich meine Zukunft zu verbringen und gestalten denke?
Während es für den Mittelpunkt der Lebensinteressen eine offizielle Definition gibt (siehe später), muss hingegen jeder für sich selbst definieren, was seine Lebensinteressen sind, doch war ich neugierig genug, nachzuschlagen, in welchem Zusammenhang dieser Ausdruck gebraucht wird, wenn nicht als Genetiv des Mittelpunktes. Das Ergebnis war verblüffend. Die Resultate deuteten darauf hin, dass der Begriff gerne auf Seiten mit gesellschaftspolitischem oder ideologischem Inhalt vorkommt: Es geht um "Lebensinteressen der Arbeiter, Klassen und Schichten", oder um die "Vereinbarung der Lebensinteressen der Bevölkerung mit den Profitinteressen der herrschenden Elite", um nur wenige Beispiele zu nennen.
In weiterer Folge stellte ich Google die Frage, welche Eigenschaften Lebensinteressen zugewiesen werden können.
Offensichtlich unterscheiden viele Menschen erst einmal zwischen menschlichen und tierlichen (nicht tierischen) Lebensinteressen. Natürlich gibt es dann die allgemeinen Lebensinteressen, die man vielleicht auch mit elementaren oder fundamentalen Lebensinteressen umschreiben kann. Eigene Lebensinteressen unterscheidet man logischerweise von fremden, ohne dass ihre Bedeutung geschmälert wird: in beiden Fällen kann man auf wichtige Lebensinteressen stoßen. Weniger klar sind mir unmittelbare oder eigentliche Lebensinteressen, und ureigenste Lebensinteressen klingt schon ziemlich alt. Private oder innerste Lebensinteressen gehen niemanden etwas an. Manchmal hört man auch von außeruniversitären Lebensinteressen, die zum Beispiel mit sozialen Lebensinteressen harmonieren können. Geht ein Verhältnis in die Brüche, so spielen eventuell divergierende Lebensinteressen eine Rolle. Gut gefällt mir die Unterscheidung zwischen materiellen und immateriellen Lebensinteressen. In manchen, seltsam anmutenden Zusammenhängen spricht man gerne von deutschen Lebensinteressen.
Was kann man mit Lebensinteressen machen?
Man kann sie grundsätzlich einmal haben. Wenn man glücklich ist oder es geschickt angeht, kann man sie auch erfüllen, wahrnehmen, verwirklichen oder realisieren. Stehen die Lebensinteressen auf dem Spiel, muss man versuchen, sie zu wahren, abzusichern oder im schlimmeren Fall sogar zu verteidigen. Möchte man seine Lebensinteressen durchsetzen, so sollte man dennoch die der anderen berücksichtigen und nicht bedrohen oder sogar jemanden zwingen, die seinigen zu verlegen. (...)
Aus der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes:
Wer ist nicht schon einmal gefragt worden, wo der Mittelpunkt seiner Lebensinteressen situiert ist? Dieser Ausdruck, vor allem in amtlichem Zusammenhang mit Behörden und Bürokratie gebräuchlich, schwirrte in mir herum und ließ mich rätseln: Wie definiert sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen? Ist es der Ort, an dem ich zu einer bestimmten Zeit lebe? Ist es die Heimat, in der ich geboren wurde, wo meine Verwandten leben? Ist es der Platz, an dem ich meine Zukunft zu verbringen und gestalten denke?
Während es für den Mittelpunkt der Lebensinteressen eine offizielle Definition gibt (siehe später), muss hingegen jeder für sich selbst definieren, was seine Lebensinteressen sind, doch war ich neugierig genug, nachzuschlagen, in welchem Zusammenhang dieser Ausdruck gebraucht wird, wenn nicht als Genetiv des Mittelpunktes. Das Ergebnis war verblüffend. Die Resultate deuteten darauf hin, dass der Begriff gerne auf Seiten mit gesellschaftspolitischem oder ideologischem Inhalt vorkommt: Es geht um "Lebensinteressen der Arbeiter, Klassen und Schichten", oder um die "Vereinbarung der Lebensinteressen der Bevölkerung mit den Profitinteressen der herrschenden Elite", um nur wenige Beispiele zu nennen.
In weiterer Folge stellte ich Google die Frage, welche Eigenschaften Lebensinteressen zugewiesen werden können.
Offensichtlich unterscheiden viele Menschen erst einmal zwischen menschlichen und tierlichen (nicht tierischen) Lebensinteressen. Natürlich gibt es dann die allgemeinen Lebensinteressen, die man vielleicht auch mit elementaren oder fundamentalen Lebensinteressen umschreiben kann. Eigene Lebensinteressen unterscheidet man logischerweise von fremden, ohne dass ihre Bedeutung geschmälert wird: in beiden Fällen kann man auf wichtige Lebensinteressen stoßen. Weniger klar sind mir unmittelbare oder eigentliche Lebensinteressen, und ureigenste Lebensinteressen klingt schon ziemlich alt. Private oder innerste Lebensinteressen gehen niemanden etwas an. Manchmal hört man auch von außeruniversitären Lebensinteressen, die zum Beispiel mit sozialen Lebensinteressen harmonieren können. Geht ein Verhältnis in die Brüche, so spielen eventuell divergierende Lebensinteressen eine Rolle. Gut gefällt mir die Unterscheidung zwischen materiellen und immateriellen Lebensinteressen. In manchen, seltsam anmutenden Zusammenhängen spricht man gerne von deutschen Lebensinteressen.
Was kann man mit Lebensinteressen machen?
Man kann sie grundsätzlich einmal haben. Wenn man glücklich ist oder es geschickt angeht, kann man sie auch erfüllen, wahrnehmen, verwirklichen oder realisieren. Stehen die Lebensinteressen auf dem Spiel, muss man versuchen, sie zu wahren, abzusichern oder im schlimmeren Fall sogar zu verteidigen. Möchte man seine Lebensinteressen durchsetzen, so sollte man dennoch die der anderen berücksichtigen und nicht bedrohen oder sogar jemanden zwingen, die seinigen zu verlegen. (...)
Aus der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes:
Bei der Bestimmung des Mittelpunktes der Lebensinteressen kommt es auf persönliche und wirtschaftliche Beziehungen an. Die persönlichen Beziehungen schlagen sich insbesondere in der Gestaltung des Familienlebens sowie in gesellschaftlichen, religiösen und sozialen Interessen und Aktivitäten nieder. Für die Bestimmung der wirtschaftlichen Beziehungen ist insbesondere die Höhe der Einkünfte in den Vertragstaaten ausschlaggebend. Im Zweifel kommt den persönlichen Beziehungen – und dort wiederum der Gestaltung des Familienlebens – der Vorrang zu.
Der Mittelpunkt der Lebensinteressen bleibt auch dann bestehen, wenn sich ein Fremder kurzzeitig ins Ausland begibt, um eine gewisse Zeit dort erwerbstätig zu sein, aber seine Familie in Österreich bleibt oder er für diesen Zeitraum eine Wohnung in Österreich aufrecht hält. Die gleichen Erwägungen treffen auch für kurzfristige Ausreisen zu anderen Zwecken als dem der Erwerbstätigkeit zu.
Ita est.
Nebenbei bemerkt würde ich gerne den Beruf von Peter Gebhard haben.


Aufgefallen sind mir die Poster bei einer Haltestelle der Straßenbahn Nummer 18 auf dem Weg zur Uni. Da steht man nur ein paar Minuten lang interessiert davor und schon fängt man mitten im Grau des Alltags plötzlich an zu träumen. Von fernen Ländern und Menschen, von viel Geld, von einer besseren Welt, von schönen Frauen, von dir, von was-weiß-ich-was. Suum cuique.
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