Sonntag, Februar 19, 2006

Lächeln: off

Im Zusammenhang mit Lächeln (Gesichtsausdruck, der durch Spannen von Muskeln im Augen- und Mundbereich erzeugt wird) unterscheidet man zwei Formen:
Beim "Duchenne"-Lächeln (nach Guillaume Duchenne) werden der musculus zygomaticus major ("Wangenheber") in der Nähe der Mundwinkel und der orbis ocularis oculi (Augenringmuskel) angespannt, was in einem "echten Lächeln" resultiert, ein Lächeln, das wie ein (unwillkürlicher) Reflex auf eine Gefühlsregung hin entsteht. Es gilt als angeboren ("soziales Lächeln") und ist ein universales Signal für Freundlichkeit, Kooperationsbereitschaft, Zustimmung und Freude.
Beim sogenannten "Pan-Amerikanischen" Lächeln wird ausschließlich der musculus zygomaticus major angespannt, dieses Lächeln wirkt willkürlich gesteuert und soll meistens Höflichkeit signalisieren, Beispiele dafür liefern VerkäuferIn und Steward(ess).
Die Unterscheidung zwischen einem natürlichen und einem unnatürlichen Lächeln fällt den meisten Menschen, wenn sie die Entscheidung intuitiv treffen und nach ihrer ersten Einschätzung gehen, nicht besonders schwer. Hier eine Möglichkeit für meine LeserInnen zum Testen. Mein Resultat: 19/20 richtig.

Lächeln bewirkt nicht nur eine Veränderung des Gesichtausdrucks, sondern führt auch dazu, dass das Gehirn Endorphine produziert, die körperliche und seelische Schmerzen verringern und das Wohlbefinden steigern.
"Endorphine" ist die Kurzform von "endogene Morphine" und bezeichnet eine Gruppe von selbst produzierten Opiaten und sind keine Hormone, wie das weitverbreitete Synonym "Glückshormone" impliziert. Die Produktion wird zum Beispiel in Notfallsituationen, bei körperlichen Anstrengungen, Schmerzerfahrungen oder bei UV-Licht aktiviert, aber auch durch den Konsum bestimmter Gewürze wie Chili (Inhaltsstoff: Capsaicin) und positive Erlebnisse wie Küssen.
Apropos Küssen: Zwei unterhaltsame Definitionen sind (1) Erste schüchterne Reklame für die nachfolgenden erotischen Handgreiflichkeiten und (2) Eine der wenigen, brauchbaren Methoden Frauen am Reden zu hindern.
;-)

Ich wünschte, mein Endorphinsystem wäre effizienter. Oder vielleicht nicht effizienter, aber vielseitiger. Dann wäre ich beispielsweise während positiver Erlebnisse (Flanieren auf der Gumpendorferstraße in Begleitung im Sonnenschein) fähig, Endorphine zu hamstern, um mich in schlechten Zeiten daran laben zu können. Sooft Ozeane an Endorphinen die Bahnen überfluten, denke ich mir, dass ich für das persönliche Wohlbefinden gar nicht soviel von diesem kostbaren Stoff benötige, am liebsten würde ich den Überschuss in kleinen Vesikeln speichern und erst bei Bedarf (siehe 13.02.2006) ausschütten.