Samstag, März 18, 2006

MAK

Im Gegensatz zu gestern war ich heute ausgesprochen schweigsam. Der mir zur Aufsicht zugewiesene Bereich nannte sich die "Studiensammlung Ostasien", die sich in einem quadratischen Raum mit Türen an drei der vier jeweils 12-Meter-langen Seiten befand. Neben den Ausstellungsstücken in den Vitrinen an den Wänden konnte man auch Skulpturen studieren, die in der Mitte des Raumes auf vier quadratischen Betonplatten mit Stelzen standen. Fünf Stunden lang spazierte ich hier an vergoldeten Bronze-Buddhastatuen, aufwändig verzierten Holzschachteln mit Perlmutt-Einlagen, kunstvoll bemalten Vasen, Töpfen, Schalen, Tellern, Teekannen und Teetassen auf und ab mit einer Geschwindigkeit von etwa 2 km/h, was bedeuten würde, dass ich heute mindestens 10 km zurückgelegt habe. Die restlichen zwei Stunden beobachtete ich zwei Fernsehbildschirme, die Bilder von Überwachungskameras der anderen Studiensammlungen in dieser Etage zeigten. Der Großteil der Besucher wurde von händchenhaltenden Pärchen gebildet, dicht gefolgt von Kleinfamilien (1 Kind). Was mir im Vergleich zu gestern gefiel, war, dass ich diesmal als eine Form von Inventar dieses Raumes betrachtet wurde, ein Objekt, das wie ein Schleier oder Schatten an einem vorüberzieht, ohne dass ihre Existenz auffällt. So wie man als Besucher einer Ausstellung auch nicht die Scheinwerfer an der Decke oder den Feuerlöscher in der Ecke registriert, genauso fühlte ich mich als "zum Raum gehörig" behandelt. Alle zu bemerken und zu beobachten und gleichzeitig zu wissen, dass man selbst nicht oder kaum auffällt, überhaupt nicht beobachtet wird, weil die Umgebung viel interessanter ist - das war eine interessante und schöne Erfahrung.