Sich beschäftigen
Den Promotionjob habe ich abgesagt. Anderen Menschen etwas anzudrehen, was ich selbst niemals haben wollte, kommt mir unehrlich vor. Dafür hatte ich heute ein anderes interessantes Erlebnis. Das Büro meiner Agentur ist in Simmering, weit draußen in der Nähe der Gasometer. Ein zweistöckiges, stylishes Bürögebäude, in dem sich ein Innenarchitekt ausgetobt hat. 17 Uhr, Einschulung. Außer mir haben sich noch 6 weitere Interessenten, Studierende, versammelt. 6 Männer. Ich beginne zu zweifeln, ob ich die Ausschreibung im Internet richtig verstanden habe. Egal. Nach der Einschulung wird die Uniform für die Diensteinsätze ausgegeben. Schwarze Hose, schwarzes Hemd, schwarzer Pullover. Ich habe noch nie ein Hemd (Bluse) probiert, das vorher in einer knisternden Plastik-Verpackung gesteckt hat, mit Plastikklammern in Form gehalten, auf einem mit Seidenpapier umhüllten Karton. Ähnliches gilt für den schwarzen Pullover aus feiner Wolle. Irgendeine englische Kollektion, "since 1902". Elegant. Einer von den 6 Herren fällt durch seine amüsante Art zu Reden auf. Nachdem diesen Abend viel gelacht worden ist, sagt die Einschulungs-Bürodame zu ihm anerkennend, an Ihnen ist wirklich ein Kabarettist verloren gegangen. Er erwidert, wieso verloren gegangen, sehe ich etwa aus wie 58? Nach der Kleiderprobe und der Terminvereinbarung verlasse ich das Gebäude gemeinsam mit dem "Kabarettisten", gehe über den Parkplatz zum etwa 3-Meter-hohen Absperrungsgitter, in welcher sich eine Tür verbirgt. Als wir draußen sind und mein Begleiter die Tür schließt, hallt durch das Aufeinanderschlagen von Metall und durch das Vibrieren der Gitterstäbe ein kaltes, stählernes Geräusch über den leeren Parkplatz. Meinem Begleiter gefällt das, er öffnet die Tür und schließt sie wieder, öffnet sie und schließt sie. Öffnet sie und schließt sie. Lacht fasziniert. Ich frage mich, ob er mit Musik zu tun hat. Auf dem Weg zur U3 Smalltalk. Eigentlich Student, aber in ein paar Monaten wird er das Studium abbrechen und sich eine Existenz als Musiker aufbauen. In der U-Bahn-Station dann ganz unvermittelt seine Frage, ob ich Sport betreibe. Hin und wieder, ja. Ob ich Kampfsport betreibe. Perplexer Blick von meiner Seite: wie bitte? Weil ich im T-Shirt herumlaufe. Ich grübele, T-Shirt? Oh, ahja. Nein, die Wunde am Arm kommt nicht vom Sport. Kleiner Unfall. Bis morgen, in der Albertina.
Eigentlich war es ja kein Unfall, sondern der Arzt. Merke: man sollte keine Pflaster verwenden, die schon jahrelang in der untersten Lade gelegen sind und nur verwendet werden, weil der Arzt zu faul ist, die Assistentin im Nebenraum um "normale" Pflaster zu fragen. Im günstigsten Fall reißt man beim Entfernen lediglich die oberen Hautschichten mit und reibt sich dann die offene Stelle regelmäßig mit allen langärmeligen Bekleidungsstücken auf (und wird dann gefragt, ob man Kampfsportarten ausübt). Im schlimmsten Fall bekommt man es gar nicht wieder hinunter und muss auf die Wirkung von Verwitterung und Zersetzung hoffen.
Eigentlich war es ja kein Unfall, sondern der Arzt. Merke: man sollte keine Pflaster verwenden, die schon jahrelang in der untersten Lade gelegen sind und nur verwendet werden, weil der Arzt zu faul ist, die Assistentin im Nebenraum um "normale" Pflaster zu fragen. Im günstigsten Fall reißt man beim Entfernen lediglich die oberen Hautschichten mit und reibt sich dann die offene Stelle regelmäßig mit allen langärmeligen Bekleidungsstücken auf (und wird dann gefragt, ob man Kampfsportarten ausübt). Im schlimmsten Fall bekommt man es gar nicht wieder hinunter und muss auf die Wirkung von Verwitterung und Zersetzung hoffen.
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