Sonntag, April 23, 2006

Freigegeben ab 18 Jahren

Aller guten Dinge sind drei. Daher ließ auch die dritte Staffel der Marionnaud-Promotion nicht lange auf sich warten. Es war - man wird es schon ahnen - wieder einmal nicht sonderlich spektakulär, bis auf vereinzelte Highlights. Den Rest der Zeit habe ich damit verbracht, mir zu überlegen, wie ich die Zeit verbringen könnte. Man beginnt zum Beispiel ein etwas ungewöhnliches Interesse für seine Umgebung zu entwickeln. Zuerst zählte ich Kinderwagen. Und zwar nur jene, die derzeit in Mode sind (und schrecklich unförmig aussehen): hinten große, starre Räder, vorne kleine, bewegliche Rädchen. Dann versuchte ich den Prozentsatz der High-Society-Mütter zu berechnen, die ihre Kinderwägelchen hoch erhobenen Hauptes herumstacksend an mir vorbeischieben. Als das zu langweilig (99,99...%) wurde, zählte ich die Väter, die ein sitzendes Kind auf den Schultern trugen. Es sind mehr, als ich dachte. Aber auch das wurde einseitig und mit steigender Temperatur, was sich innerhalb der Marionnaud-Daunenjacke unangenehm bemerkbar machte, zählte ich die Menschen, die an Eistüten (Stanitzeln, anyone?) schleckten. Nach einem demotivierenden Ergebnis, was zu der Konsequenz führte, dass ich mir nichts lieber wünschte als ein Eis, interessierte mich für meine a-menschliche Umgebung. Neben der Parfumerie befindet sich ein Morawa-Buchgeschäft. Vor der Auslage stehen Tische mit Ansichtsexemplaren von Büchern unterschiedlicher Themen. Unter anderem zog folgendes Buch meine Aufmerksamkeit auf sich:


In Tansania muss man zum Beispiel den Ngorongoro-Krater, Stone Town auf Sansibar, die Sand Rivers im Selous Game Reserve und den Kilimandscharo "gesehen" haben.

Neben dem Morawa-Buchgeschäft befindet sich eine Intimissimi-Filiale. Das für fadisierte Promotorinnen besonders Nette an diesem Geschäft ist das Faktum, dass sie zwei Mal täglich die Auslage wechseln. Am zweiten Tag dieser Staffel war erstmalig etwas dabei, wozu ich mich überreden können lassen wollen würde:


Und weil es immer noch nicht spannender wurde, begann ich nachzudenken, ob ich mir solch ein Instrument weibischer Verführung (denn nichts anderem kann dieser Fetzen dienen) theoretisch erwerben würde. 9,80 Euro müsste eine Käuferin dafür hergeben. 1,80 Euro mehr als mein Stundenlohn. Gedankenspiel: Würde ich mehr als eine Stunde Promoterin sein (= hier zu Tode gelangweilt herumstehen), um dafür dann dieses Stückchen Stoff zu bekommen? Eher nein. 8 Euro in der Stunde sind ... *ratter* ... etwas mehr als 13 Cent in der Minute... *surr* - sprich, ich könnte für meinen Stundenlohn auch jede Minute eine SM ins Ausland schicken. Diese weise Erkenntnis weckte freudige Gefühle und ich begann, unsere verbleibende Arbeitszeit nur mehr in SMs anzugeben, was meine Arbeitskollegin immer wieder in verzweifeltes Augenverdrehen stürzte.

Das einzige echte Highlight kommt aber erst: der Öl-Wasser-Emulsion-Mensch vom letzten Mal spazierte wieder mit Gattin an mir vorbei. Und fragte wiederum, was ich hauptberuflich mache. Ich wollte ein wenig Abwechslung in das Leben des armen, alten Mannes bringen und nannte mein Zweitstudium (fies, gell?). Er gab bedeutungsvoll Ah-Laute von sich und fing dann an, mich kantonesische Phrasen abzuprüfen, Dinge wie "Was kostet das", "Wo ist das WC" etc. Ich lobte sein Kantonesisch, nachdem ich alle Sätze erraten konnte. Bis er sagte: Und das müssen Sie schon oft gehört haben: Ngaauoioauaioi. Ich schüttelte den Kopf und bat ihn einige Male um Wiederholung - ohne Erfolg, es war nicht wiederzuerkennen. Des Rätsels Lösung: Ich liebe dich.
Ich fragte natürlich, wie es dazu kommt, dass ein "Weißer" kantonesische Phrasen spricht. Er antwortete, in China gibt es Vulkane. Ich war begeistert: mein Matura-Spezialgebiet! Er anscheinend noch viel mehr, denn das Abprüfen ging gleich weiter.
Er: Wo befindet sich die Juan-de-Fuca-Platte?
Ich: Äh.. *kram*, es gibt 7 große und mehr als 14 kleine Platten *ablenk*, hmmmm... äh... Amerika?
Er: *begeistert* Richtig. Wo befinden sich Vulkane? Welche amerikanischen Vulkane kennen Sie? Welcher ist der südlichste, amerikanische, noch aktive Vulkan? [...]
Ich kam mir vor wie bei der Matura. Nur dass letztere einfacher war. Wir bedauerten beide gemeinsam, dass man in Wien nicht Vulkanologie studieren kann. Er ist der erste Vulkanologe (im Bereich Wasser-Öl-Emulsionen), den ich kennengelernt habe. Erstaunlich, was einem alles passieren kann.

Noch ein paar Worte zu meiner Arbeitskollegin. Man erinnert sich an die Ethnologin Sabine? Genau diese war es wieder. Am dritten Arbeitstag der dritten Staffel beschlossen wir beide, das "Quatsch-Verbot" zu ignorieren. Ich habe mich in ihr getäuscht. Für ihre Diplomarbeit war sie 3 Monate in Mexiko gewesen und hatte einer Heilerin bei ihrer Arbeit und Methodik zugesehen, sie interviewt und begleitet, sooft Heilpraktiken gewünscht wurden. Feldforschung. Die Monate danach verbrachte sie damit, die immensen Mengen an Daten und Material in eine halbwegs lesbare Form zu bringen. "Natürlich" kenne sie Nigel Barley's "Traumatische Tropen", lachte sie, den populärwissenschaftlichen Klassiker unter Ethnologen. Außerdem sei "mein Fall" auch ein Klassiker. Sie liebt das Reisen, Guatemala, Belize, Mexiko alleine, vielleicht Argentinien als nächstes. Sie wünscht mir, dass es mir in Afrika besser ergeht als Nigel Barley, obwohl sie glaubt, dass ich um einige Dinge sicherlich nicht herumkommen werde. Ein ehrlich gemeintes Dankeschön.

9 Comments:

Blogger nimbus4dm said...

Ich würde es mir kaufen und zugleich keine SM zählen, sondern den Barwert und die verbleibende Zeit bis ich mir den Flug leisten kann um das SM getippe zu sparen.

23:08  
Anonymous Anonym said...

Nehmen wir mal an, man würde es dir schenken - würdest du es denn tragen? :-D

00:16  
Blogger fechter said...

Kommt vermutlich auf das wann & wo an. ;)
Ngorongoro-Krater: in 5 Tagen.
Stone Town: done, war aber nicht sehr beeindruckend.
Sand Rivers im Selous Game Reserve: nicht weit weg, mal schauen.
Kilimandscharo in Planung.

Was wird für Österreich empfohlen?

10:05  
Blogger al-iksir said...

*g* Sobald man mal etwas Freizügigeres postet, häufen sich hier gleich die Comments der Adämmer unter uns. ;)

@ nimbus: kein Fan von SMs?

@ florian: Sieht es denn so unanständig aus, dass du mir das nicht zutrauen würdest? ;)

@ fechter: Auch Österreich ist vertreten mit Alt-Graz, den Bregenzer und Salzburger Festspielen, mit dem Großglocknerpass, Stift Melk und Dürnstein (ich interpretiere: die Wachau in Zeiten der Marillenblüte), Lech und Kitzbühel, Wien mit 10 Sehenswürdigkeiten und mit dem Opernball & Hotel Imperial.

Wer hat in Österreich schon alles gesehen?

12:56  
Anonymous Anonym said...

Bösartige Unterstellung - ich kommentiere doch freimütig auch sonst, ob es dir lieb ist oder nicht! ;)

Sagen wir so, von jemanden, der zu 'gschamig' war, mit Freunden in einem Fluss zu baden ;), würde mich sowas schon sehr überraschen. Ich bin aber jederzeit für die Nagelprobe bereit!

Aber um auch in weniger schlüpfrige Gefielde zu kommen - die Aufzählung der österreichischen 'must-sees' hat mein Interesse an den restlichen Einträgen dieses Buches wieder herabgesetzt - hört sich mir ein bisschen zu klischeehaft an, aber bitte. Wahrscheinlich bin ich nur gekränkt, dass K.dorf nicht aufgeführt war. :-P

21:58  
Blogger al-iksir said...

Vermutlich habe ich schon zuviel(e) Alkohol(sorten) intus (1 Glas Sekt, 1/4 1986er Weißwein, 1 Piña Colada, 1 Eierlikör) um das zu verstehen... a) "sowas"? - Ich sehe keinerlei anstößige Auffälligkeiten an dieser Unterwäsche, was genau fällt dir auf? b) Wie sähe eine "Nagelprobe" aus?
Abgesehen davon distanziere ich mich vom Ausdruck "gschamig"; ich bin halt nicht so exhibitionistisch veranlagt wie andere... :p

Das Buch ist übrigens relativ dick; pro Euro gibt's einen Zentimeter. ;)

23:55  
Anonymous Anonym said...

Was gab's denn zu feiern? Ich hoffe, dich dennoch in weniger als 90min auf der Uni vorzufinden! ;)

Vielleicht findest du es gleich etwas "anstößiger", wenn man bedenkt, dass es sich dabei mitnichten um Unterwäsche, sondern um ein Stück, naja, Oberwäsche handelt.

05:42  
Anonymous Anonym said...

Das Forum hat gesprochen, ich gebe mich geschlagen, ziehe meinen unqualifizierten (woher auch?) Kommentar zurück, behaupte das Gegenteil und biete hiermit hochoffiziell eine Entschuldigung an bzw. bitte um selbige!

Was hab ich mir dabei nur wieder gedacht!

21:47  
Blogger al-iksir said...

Und, war ich pünktlich genug? ;)
Gefeiert wurde die Zusammenkunft, die Gesellschaft, das Beisammensein.

Als Zeichen meiner Wohlgesonnenheit kann ich, die Güte in Person, deine Bitte natürlich nicht abschlagen und nehme mit Freuden dein Entschuldigungsgesuch an. Sei erlöst!

23:54  

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