Karrierechancen?
"Ein G-G...Glück-..Glück-...Glückslos?" hieß es diese Woche wieder, etwa 8.000 Mal.
Am ersten Tag war alles noch wunderbar. Acht Mädchen teilten sich in Zweiergruppen ein und wurden von der Teamleiterin zu den 4 Filialen der Inneren Stadt geführt. Meine Kollegin, Nathalie, eine Bankangestellte, zeichnete sich während der Arbeit dadurch aus, dass sie jede Stunde mindestens einmal "eine rauchen" ging und ihren Freund per Handy anjammerte, wie schrecklich der Job wäre. Nach zwei Stunden rief sie unseren Projektleiter an, weil sie die Kälte und den Wind nicht mehr ertragen wollte/konnte. Nachdem ihr klargemacht wurde, dass ein Zurücktreten vom Job ausgeschlossen wäre, besorgte sie sich in der Mittagspause von mir begleitet eine Strumpfhose beim Stiefelkönig und eine Weste beim H&M, wo ich zufällig den Rücken des perfekten Schwiegersohns erspähte und daraufhin Übles ahnend mich schleunigst aus dem Staub machte. Die restlichen Stunden nach der Mittagspause wurden vom Bild italienischer SchülerInnen dominiert, die zu hunderten lärmend und "Intimissimi!"-schreiend die Straße auf und ab zogen. 6 italienischen Schülerinnen, denen Nathalie ein Glückslos in die Hand gedrückt hatte, umstellten mich und fragten: "What is it?" Ich radebrechte: "This is a ...erm... hm. If you buy a perfume which costs more than 30€ you will get 5 € discount." 12 große Augen mit Mascara-geschwärzten Wimpern starrten mich für Sekundenbruchteile an, dann brach die Runde in lautes Gelächter aus, ein Mädchen rief: "Nono, English please!" Ich verwarf den zweiten Versuch einer Erklärung.
Und sonst? An die ausschließlich männlichen Wesen, die zuerst den Schriftzug auf meinem Rücken ("Ich bin 18. Ganz ehrlich."), dann mich prüfend anstarren, um nachfolgend unter lautem Gelächter oder vielmehr Gebrüll an mir vorüberzugehen habe ich mich schon lange gewöhnt, genauso an die Postboten, die täglich vorbeikommen und nach der Nummer fragen. Es irritiert dann allerdings, wenn ein besonders gewitzter Mensch stehenbleibt und mich fragt, ob es "Ich bin schon 18" oder "Ich bin noch 18" bedeuten soll - und das erinnert dann an einen Menschen, der zugab, wenn er ehrlich wäre, würde er mich auf 25 schätzen. Das war letzten Sommer.
Ein interessantes Phänomen, das sich durchgehend von meinem ersten Einsatz bis heute beobachten ließ, war, dass Männer ab einer gewissen Pigmentkonzentration in der Haut garantiert Glückslose annahmen, die ich ihnen hinhielt. Ich habe keine Ahnung, womit das zusammenhängt, ich kann nur die Beobachtung präsentieren.
Scherzkekse: manch einer ruft uns zu, ob der Gewinn etwa eine Nacht mit uns wäre. Sehr witzig, aber immerhin noch besser als eine gewisse etwa 60-jährige Frau, der ich wie jedem anderen Passanten ein Glückslos hinhielt. Was tat sie? Sie spuckte auf das Los, das ich in der Hand hielt. Dagegen sind die zwei Herren, die ihre Lose öffneten und dann mit dem Portmonnaie zu mir kamen, 5€-einfordernd, eigentlich nur mehr belächelnswert. Noch ein seltsames Erlebnis: Ein älteres Ehepaar um die 70 nahm dankend meine Gabe an, dann positionierte sich der männliche Part vor mich und fragte, was ich denn hauptberuflich machen würde. Stellte ein paar Fragen zu meinem Studium. Dann meinte er krächzend, er habe auch mit Chemie zu tun gehabt: "Öl-Wasser- und Wasser-Öl-Emulsionen. Ging ja damals noch nicht so einfach wie heute.", grinste zahnlos und schleppte seine Gattin weiter. Das "beste" zum Schluss: Ich lernte den kostümierten "Paolo from Italia" kennen, einen der Mozartkonzert-Anbieter vom Stephansplatz, den ich nett fand, bis ich mich seinem, dem - unter Freunden - klassischen Begrüßungsritual unterwerfen musste. Und bis ich feststellen durfte, dass er am nächsten Tag wieder vorbeikam, mich wieder fragte, ob ich nicht Zeit für einen Kaffee hätte, was meine Eltern arbeiten und wie viele Geschwister ich habe. Als er dann am 3. Tag sogar in Zivil mich besuchen kam und auf den Kaffee pochte, machte ich mir ernsthaft Sorgen.
Aber am ersten Tag war ja noch alles wunderbar. Es war der zweite, an dem ich morgens zu der 7-er-Truppe stieß, die mich erwartungsvoll fragte, ob ich Teamleiterin wäre. Kopfschütteln. Wir formierten selbstständig unsere Zweiergruppen und gingen ein wenig desorientiert unseren Bestimmungen nach. Auf dem Weg in meine Filiale rief mich der Projektleiter an: Du bist heute Teamleiterin. Genau das gleiche spielte sich auch am letzten Tag ab. Fein. Eine Stufe in der Karriereleiter aufgestiegen, so schnell kann es gehen. Vielleicht sollte ich bei Promotion bleiben?
Eine vielleicht schöne oder auch beunruhigende, auf jeden Fall neuartige Erfahrung konnte ich diesmal machen: Es gibt bestimmte Verhaltensweisen, die das Andrehen von Losen an männliche Passanten außerordentlich erleichtern, eindeutig ersichtlich aus meinem unterschiedlichen Verteil-Vermögen vor zwei Wochen und diese Woche. Ich sage nur: in die Augen schauen, (geheimnisvoll) lächeln bzw. anstrahlen (dafür gibt es einen Trick) und bisweilen versuchsweise den Blickkontakt etwas länger als notwendig aufrechterhalten. Beunruhigend, dass es immer wieder erstaunlich gut funktionierte. Ist das denn wirklich so simpel?
Am ersten Tag war alles noch wunderbar. Acht Mädchen teilten sich in Zweiergruppen ein und wurden von der Teamleiterin zu den 4 Filialen der Inneren Stadt geführt. Meine Kollegin, Nathalie, eine Bankangestellte, zeichnete sich während der Arbeit dadurch aus, dass sie jede Stunde mindestens einmal "eine rauchen" ging und ihren Freund per Handy anjammerte, wie schrecklich der Job wäre. Nach zwei Stunden rief sie unseren Projektleiter an, weil sie die Kälte und den Wind nicht mehr ertragen wollte/konnte. Nachdem ihr klargemacht wurde, dass ein Zurücktreten vom Job ausgeschlossen wäre, besorgte sie sich in der Mittagspause von mir begleitet eine Strumpfhose beim Stiefelkönig und eine Weste beim H&M, wo ich zufällig den Rücken des perfekten Schwiegersohns erspähte und daraufhin Übles ahnend mich schleunigst aus dem Staub machte. Die restlichen Stunden nach der Mittagspause wurden vom Bild italienischer SchülerInnen dominiert, die zu hunderten lärmend und "Intimissimi!"-schreiend die Straße auf und ab zogen. 6 italienischen Schülerinnen, denen Nathalie ein Glückslos in die Hand gedrückt hatte, umstellten mich und fragten: "What is it?" Ich radebrechte: "This is a ...erm... hm. If you buy a perfume which costs more than 30€ you will get 5 € discount." 12 große Augen mit Mascara-geschwärzten Wimpern starrten mich für Sekundenbruchteile an, dann brach die Runde in lautes Gelächter aus, ein Mädchen rief: "Nono, English please!" Ich verwarf den zweiten Versuch einer Erklärung.
Und sonst? An die ausschließlich männlichen Wesen, die zuerst den Schriftzug auf meinem Rücken ("Ich bin 18. Ganz ehrlich."), dann mich prüfend anstarren, um nachfolgend unter lautem Gelächter oder vielmehr Gebrüll an mir vorüberzugehen habe ich mich schon lange gewöhnt, genauso an die Postboten, die täglich vorbeikommen und nach der Nummer fragen. Es irritiert dann allerdings, wenn ein besonders gewitzter Mensch stehenbleibt und mich fragt, ob es "Ich bin schon 18" oder "Ich bin noch 18" bedeuten soll - und das erinnert dann an einen Menschen, der zugab, wenn er ehrlich wäre, würde er mich auf 25 schätzen. Das war letzten Sommer.
Ein interessantes Phänomen, das sich durchgehend von meinem ersten Einsatz bis heute beobachten ließ, war, dass Männer ab einer gewissen Pigmentkonzentration in der Haut garantiert Glückslose annahmen, die ich ihnen hinhielt. Ich habe keine Ahnung, womit das zusammenhängt, ich kann nur die Beobachtung präsentieren.
Scherzkekse: manch einer ruft uns zu, ob der Gewinn etwa eine Nacht mit uns wäre. Sehr witzig, aber immerhin noch besser als eine gewisse etwa 60-jährige Frau, der ich wie jedem anderen Passanten ein Glückslos hinhielt. Was tat sie? Sie spuckte auf das Los, das ich in der Hand hielt. Dagegen sind die zwei Herren, die ihre Lose öffneten und dann mit dem Portmonnaie zu mir kamen, 5€-einfordernd, eigentlich nur mehr belächelnswert. Noch ein seltsames Erlebnis: Ein älteres Ehepaar um die 70 nahm dankend meine Gabe an, dann positionierte sich der männliche Part vor mich und fragte, was ich denn hauptberuflich machen würde. Stellte ein paar Fragen zu meinem Studium. Dann meinte er krächzend, er habe auch mit Chemie zu tun gehabt: "Öl-Wasser- und Wasser-Öl-Emulsionen. Ging ja damals noch nicht so einfach wie heute.", grinste zahnlos und schleppte seine Gattin weiter. Das "beste" zum Schluss: Ich lernte den kostümierten "Paolo from Italia" kennen, einen der Mozartkonzert-Anbieter vom Stephansplatz, den ich nett fand, bis ich mich seinem, dem - unter Freunden - klassischen Begrüßungsritual unterwerfen musste. Und bis ich feststellen durfte, dass er am nächsten Tag wieder vorbeikam, mich wieder fragte, ob ich nicht Zeit für einen Kaffee hätte, was meine Eltern arbeiten und wie viele Geschwister ich habe. Als er dann am 3. Tag sogar in Zivil mich besuchen kam und auf den Kaffee pochte, machte ich mir ernsthaft Sorgen.
Aber am ersten Tag war ja noch alles wunderbar. Es war der zweite, an dem ich morgens zu der 7-er-Truppe stieß, die mich erwartungsvoll fragte, ob ich Teamleiterin wäre. Kopfschütteln. Wir formierten selbstständig unsere Zweiergruppen und gingen ein wenig desorientiert unseren Bestimmungen nach. Auf dem Weg in meine Filiale rief mich der Projektleiter an: Du bist heute Teamleiterin. Genau das gleiche spielte sich auch am letzten Tag ab. Fein. Eine Stufe in der Karriereleiter aufgestiegen, so schnell kann es gehen. Vielleicht sollte ich bei Promotion bleiben?
Eine vielleicht schöne oder auch beunruhigende, auf jeden Fall neuartige Erfahrung konnte ich diesmal machen: Es gibt bestimmte Verhaltensweisen, die das Andrehen von Losen an männliche Passanten außerordentlich erleichtern, eindeutig ersichtlich aus meinem unterschiedlichen Verteil-Vermögen vor zwei Wochen und diese Woche. Ich sage nur: in die Augen schauen, (geheimnisvoll) lächeln bzw. anstrahlen (dafür gibt es einen Trick) und bisweilen versuchsweise den Blickkontakt etwas länger als notwendig aufrechterhalten. Beunruhigend, dass es immer wieder erstaunlich gut funktionierte. Ist das denn wirklich so simpel?
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