Mittwoch, Mai 31, 2006

Ein Steckenpferd

Vergangenen Montag, Vormittag. Ich warte. Nichts. Kein Aufleuchten, kein Ton. Wieder einmal Pech.
Plötzlich entfaltet sich vor meinem geistigen Auge eine Assoziationskette, deren erstes Glied ich als kleines Geheimnis verschweigen werde. Das nächste ist die 1-Amino-2-Indolylpropionsäure, eine für Menschen essentielle Aminosäure, die von Pflanzen und Bakterien synthetisiert werden kann, zum Beispiel aus der Shikimisäure. Lustiger Name, mal was anderes als die komplexen IUPAC-Konstruktionen. Besonders viel Shikimisäure findet man im Sternanis, unentbehrlich für sehr viele chinesische Fleischgerichte, und während ein zarter Duft von geschmortem Rindfleisch mit Sternanis an meinen olfaktorischen Rezeptoren vorbeizustreichen scheint, springe ich einen Schritt weiter: mit Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass Sternanis aufgrund des hohen Shikimisäure-Gehalts das Ausgangsprodukt für Oseltamivir ist. Oseltamivir? Ja, Tamiflu, das am liebsten jeder zuhause kiloweise horten möchte. Man weiß ja nie. Das darauffolgende Glied der Kette entsprang einem lautsprachlichen Experimentieren mit den ersten beiden Silben von Tamiflu: Kami. Kaum erklingt diese Phoenmfolge im Kopf, schwingen schon Harmonien aus Puccinis "Madame Butterfly" mit: O Kami, O Kami (Real Player). Madame Butterfly bringt mich auf die Staatsoper, die Staatsoper auf Fidelio, und Fidelio - wieder zum ersten Glied der Kette.