Montag, Juni 19, 2006

Molekularbiologische Alternative

Es hätte ganz anders werden sollen.

"Why am I studying a scientific subject?" lautete die Fragestellung, die ich bei der Bewerbung für eine Seminar-artige Lehrveranstaltung im 3. Semester beantworten musste. Voller Ideale und Enthusiasmus schrieb ich: um die Grundbausteine und Grundzüge des Lebens zu erkennen und zu untersuchen, seinen Geheimnisse und fundamentalen Mechanismen auf die Spur zu kommen, um die Herrlichkeit und Vielfalt des Lebens auf molekularer Ebene zu erforschen. Es schien eine faszinierende Herausforderung zu sein, das Leben, Handlungen, Motive, Emotionen von rationalem Standpunkt zu betrachten und zu erklären, den Menschen auf eine Ansammlung von Zellen, eine hochkomplexe Maschine zu reduzieren, die nach simplen Prinzipien und Mechanismen funktoniert.
Die Idee, sich mit Bio-Wissenschaften auseinanderzusetzen, kam etwa in der zehnten Schulstufe auf, als ich das erste Mal im Biologie-Unterricht mit der Einheit der Zelle und ihren Bestandteilen konfrontiert wurde - eine Welt, von deren Existenz ich zuvor keinerlei Ahnung gehabt hatte. Auf einmal schien Prozessen, die oftmals mit "das ist halt so" erklärt wurden, eine Begründung auf molekularer Ebene zu unterliegen; die neue Welt gaukelte mir vor, man würde lernen, das Phänomen Leben bis ins kleinste Detail nachzuvollziehen. Es schien, als könnte ich hier, auf diesem Gebiet, Antworten auf die unzähligen Fragen des Seins finden.

Ich entschied, mich dem "Wunder Leben" nicht von philosophischer, sondern von wissenschaftlicher Seite zu nähern und inskribierte mich für Molekulare Biologie, ohne mich zuvor zu informieren, wie die Konsequenzen einer solch spezialisierten Ausbildung aussehen, und viel wichtiger: was es eigentlich bedeutet, Wissenschafter zu sein.