Sonntag, Juni 11, 2006

New Haven Hotel, can I help you?

Ich bin für meine häufigen "dummen Ideen" nicht bekannt. Denn die meisten gelangen niemals zur Ausführung bzw. behalte ich sie für mich. Heute mache ich eine kleine Ausnahme, vermutlich auch nur, weil ich im Moment unter (legalen) Drogen stehe (falls ich später Intentionen zum Löschen des Eintrages zeige, bitte unter Aufwendung aller Mittel verhindern).

Schon seit zwei Tagen schwebte mir eine dieser "dummen Ideen" vor. Es fehlte nur an Kreativität und insbesondere Mut - bis heute. Eigentlich bin ich ja nicht betrunken. Nicht einmal beschwipst. Aber trotzdem habe ich vor ein paar Minuten mit Amerika telephoniert, mein aller-allererstes Mal. Ob es an dem Koffein liegt? Das Herz flattert, die Hände zittern... Ich sollte vorne beginnen.

Am Anfang war die Idee. Wäre doch nett, dachte ich mir. Ich würde mich freuen. Oder zu aufdringlich? Darf ich das überhaupt? Ich will ja nicht stören...
Unentschlossen ließ ich meine Gedanken um den Inhalt kreisen. Was will ich überhaupt hinterlassen? In welcher Sprache? Englisch? Deutsch? Niemand außer dem Adressaten sollte es verstehen. Nur wie? Was? Ich gab halb-zufrieden auf, die Idee mangels Phantasie verwerfen zu müssen.

Heute abend spielen die Gedanken wieder damit herum, tänzeln durch unterschiedliche Sprachen und Zahlenkombinationen, wägen verschiedenste Variationen ab. Zu kompliziert und lang darf es nicht werden, da ich es buchstabieren müsste, wenn es nicht auf Englisch wäre. Die Gedanken streifen durch meine Vokabellisten. Ein Wort, das ich wegen seines weichen Klanges sehr gerne habe, blitzt auf. Kurz darauf: eine Eingebung. Hastiges Blättern in der Grammatik - zu den Possessivpronomina war ich in meinen Lerneinheiten noch nicht vorgedrungen. Stirnrunzeln. Ob es so richtig ist? Die letzten Zweifel beseitigt ein Nachschlagen in Google: doch, es gibt genug Suchergebnisse mit den Bausteinen meiner zusammengebastelten Phrase, dürfte also verständlich sein. Ich blicke voller Stolz auf mein Werk hinab: ninafikiri kwa wewe, moya wangu. K.

Es ist soweit. Nummer suchen, Vorwahl. Sich überlegen, was man sagt.
Minuten vergehen, in denen ich zweifle: Soll ich? Soll ich nicht? Bin ich nicht zu aufdringlich?
Dank zu viel Koffein lasse ich es dann doch tausende Kilometer weiter westlich auf der anderen Seite des Atlantiks zwei Male läuten, bis eine freundliche Frauenstimme abhebt. Kleine Diskussion, in der ich draufkomme, dass sich mein kleines Unternehmen etwas schwieriger gestaltet als gedacht: mein Adressat ist nicht registriert, außerdem scheint der klassische Notizzettel-Weg zum Hinterlassen einer Nachricht ausgestorben zu sein, denn bevor ich mein Gehirn zum Umdenken bewegen kann, sagte die freundliche Stimme etwas, das ich nicht sofort verstehe und auf einmal höre ich wieder ein Tuten. Vermutlich läutet jetzt ein Telephon im Zimmer einer mir unbekannten Person. Meine schöne, dumme Idee kann ich vergessen. Nichtsdestotrotz warte ich gespannt, was passiert. Niemand hebt ab, es meldet sich der Anrufbeantworter. Bei "To leave a message, press any number" lege ich auf.

Schade.