Donnerstag, Juli 27, 2006

Das erste

Es ist noch nicht ganz aus, dennoch folgt bereits jetzt ein kleines Feedback zu meinem Wahlbeispiel Numero 1, das morgen sein Ende nehmen wird. Am ersten Arbeitstag vor 4 Wochen noch ganz euphorisch (Hey, pipettieren. Wow, eine Zentrifuge) fiel die Begeisterung in den darauffolgenden rasant ab. Zu wenig Erinnerung an nicht eintrainierte Handgriffe, kaum fundiertes Praxiswissen und eine gewisse Laborfremdheit führten dazu, dass ich nicht gerade eine von Flinkheit und Geschick geprägte Arbeitsweise an den Tag legte - für die nächsten 3 Wochen. Wo ist welche Lösung, wie viel muss wohinein, wo wasche ich was wie ab - die W-Wörter häuften sich schnell in meinem täglich benutzten Wortschatz. Lästig, wenn man sich auch nach dem dritten Mal nicht merkt, wo ein gewisser Antikörper steht, wie viel prozentige Agarosegele man üblicherweise gießt, dass Hefezellen nicht gevortext werden dürfen. Herumhetzen und trotzdem langsam sein, sich anstrengen und dennoch nichts weiterbringen - das ermüdet und demotiviert. Als ich das erste Mal ganz alleine im Entwicklungsraum stehe, alles selber, aus der Erinnerung heraus machen muss und bei Infrarotlicht zusehe, wie der Apparat meinen Röntgenfilm einsaugt, zittere ich wie Espenlaub. Fünf unendlich lange Minuten später spuckt er meinen fertigen Western Blot aus. Diese Woche fühle ich mich erstmals sicher in den Handgriffen, die ich tue. Ein Verdau wird schnell mal nebenbei angesetzt, das Gel ist im Handumdrehen gegossen, auch über die Ethidiumbromidmenge pro 100 ml Agarosegel oder Pufferverdünnungen muss ich nicht mehr halbe Stunden grübeln. Blots schütteln nebenan in Plastikschälchen und wenn der Timer nach 15 Minuten läutet, wechsele ich automatisch die Lösungen - ohne nachsehen zu müssen, ob jetzt Milch, ein weiterer Antikörper oder TBST draufkommt.
Und während sich erstmals ein kleines Lächeln breitmacht, zu wissen, was man tut, und zu wissen, dass man es auch richtig macht, gliedern sich in den beginnenden Laborbetrieb soziale Komponenten ein: mit dem Hinweis auf meine am Tisch liegenden Packliste (große Überschrift: Tansania 2006) werde ich gefragt, wohin es mich verschlägt, ob ich "Darwin's Nightmare" gesehen habe, werde ich darauf aufmerksam gemacht, dass es mein letzter Urlaub von dieser Länge sein wird / könnte.