Freitag, August 25, 2006

Ifakara

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Genau einer jener mosquito researchers, die es für einen befristeten Zeitraum hierher in den afrikanischen Busch verschlagen hat, sollte es sein, der mich in die Gemächer seines Hauses aufnehmen, mir einen Schlafplatz zur Verfügung stellen und anderweitige Unterstützungen liefern würde. Ich nenne ihn aus Gründen der einfacheren Wiedererkennung mal "A". Wir waren schon vor meiner Reise in zwar nicht intensivem, aber doch mehr oder weniger regelmäßigem Kontakt gestanden und ich hatte bereits so manches von seinem Haus, seiner Arbeit, seinen Freunden und dem Leben hier erfahren. Aus diesen dennoch vergleichsweise kargen Informationen hatte sich in mir ein Bild von Ifakara und allem, was darin oder damit zu tun hat, geformt, das sich nach meiner Ankunft hier zahlreichen Korrekturen, Löschungen und Ergänzungen unterwerfen musste.
Eigentlich ist ja Ifakara genauso eine staubige Stadt mit Geschäften und Menschen wie jede andere, die wir bisher durchfahren haben - und trotzdem anders. Anders, weil ich zuvor Monate lang immer wieder mit Informationshäppchen hierzu versehen worden bin, Photos von einzelnen Bereichen gesehen habe, Lagebeschreibungen erhalten habe. Und auch anders, weil ich mir die ersten Tage in dieser Stadt ständig, bei allem, was ich sehe und mir begegnet, bewusst bin, dass A, der hier Monate gelebt hat, all das mit komplett anderen Augen sieht als ich - und zwar mit einer gewissen Vertrautheit auf Belebtes und Unbelebtes blickt, die mir gänzlich fern ist. Ich komme nicht umhin, mich anfangs mehrmals pro Tag fehl am Platze zu fühlen.
Zum Forschungs- und Ausbildungsgelände, sowie dem Compound, auf dem das Haus von A steht, beide durch übermannshohe Mauern und / oder Stacheldrahtzaun inklusive Wachposten vom Rest der Stadt isoliert, kann (darf?) ich nicht viel sagen außer: grundsätzlich ist alles neuer, weißer, heller, sauberer, gepflegter, intakter, betoniger und moderner als in meiner Vorstellung. Die Führung durch das Haus kratzt dann noch einmal heftig an meinem vorab ausgemalten Bild: WC und Kühlschrank überraschen in ihrer Luxusausfertigung, während die Dusche ernüchtert; ein einziger Hahn - Kaltwasser. Im Kontrast dazu steht die Führung über das Gelände des Trainingscenters am nächsten Tag: vage, diffuse Vorstellungen in meinem Kopf gewinnen an Substanz, ich lerne die Reception Hall, das Mainhouse, "das Office", den Mosquito-Stall, den Wasserturm, die Kantine und das Greenhouse kennen. Distanzen zwischen den einzelnen Gebäuden bekommen nachvollziehbare Dimensionen; das, was zuvor schwammig und ungreifbar war, nimmt langsam Gestalt an, der Abgleich mit der Realität macht Spaß.