Mittwoch, September 27, 2006

Could you live here?

Ich wollte ursprünglich bereits in Ifakara, als mir diese Frage gestellt worden ist, einen Eintrag hierzu verfassen, es kam jedoch nicht dazu. Im Nachhinein wäre es sicherlich interessant gewesen, meine Gedanken und insbesondere Formulierungen zum damaligen Zeitpunkt mit den heutigen zu vergleichen. Aber auch wenn keine diesbezüglichen Schriftstücke aus der Vergangenheit existieren, kann ich dennoch einen gravierenden Unterschied zwischen damals und heute ausmachen: meine kurze Antwort auf die Frage im Titel war gewesen: „No, I couldn’t“ – in Anwesenheit der Fragestellerin, meines Gastgebers und einem Vertreter der lokalen Bevölkerung – äußerst taktvoll, ich weiß.
Heute würde meine Antwort wahrscheinlich etwas länger ausfallen und weniger selbstsicher sein. Denn – vielleicht sind es aber auch nur die Nachwirkungen einer schönen, erlebnis- und erfahrungsreichen, unbeschwerten Reise oder die Schwierigkeiten der Rückumstellung auf ein Leben voller Pflichten und lästigen Aufgaben – ich sehne mich, seitdem ich wieder da bin, nach der Ruhe, Gemütlichkeit und Freundlichkeit Ifakaras oder eines anderen vergleichbaren afrikanischen Städtchens. Vermutlich wäre es ein unberechtiges und vorschnelles Urteil, gleich zu meinen, ich würde es vorziehen, dort zu leben, da ich im Moment lediglich dahin zurück möchte, wo mich keine täglichen Pflichten erwarten, wo ich keine Fristen einhalten muss, finanzielle Angelegenheiten abzuwickeln habe oder meinen Tagen, Wochen und Monaten Plan und Struktur aufzwingen muss - wie ein Urlaub nun so ist. Allerdings möchte ich meinem vorschnellen Urteil nicht vollkommen seine Berechtigung absprechen, sondern einem kleinen Part Recht geben; nämlich, dass es in Ifakara vielleicht doch nicht so schrecklich gewesen ist, wie ich vor ein paar Wochen jenem Local vermittelt haben muss, sondern dass man sich eventuell unter bestimmten Umständen dort durchaus einige Zeit lang recht wohlfühlen kann.