Freitag, September 22, 2006

Schweizer Erfindung

Für mein Frühstücksgrundnahrungsprodukt benötige ich Milch. Weiße, fettige, vollmundige Bio-Milch von österreichischen Bergbauern. Oh, wie ich mich gefreut habe auf meine erste Begegnung nach sieben Wochen. Heute war es dann soweit. Erst die Haferflocken, 4 große Esslöffel davon fallen in die tiefe Schale. Dann 2 EL Sesamkörner, 1 EL Kürbiskerne, 1 EL Sonnenblumenkerne, 4 Stück Mandelkerne, 4 Cashews, eine wird gleich verkostet. Draufbeißen, herumkauen. Schmeckt ..hart, knackst, ich warte vergeblich auf den in Tansania antrainierten Cashew-Geschmack. Wo bleibt das herzhaft-süßliche, vollnussige Aroma? Plötzlich ist sie fort, die Nuss. Reines Kaumaterial. Schulterzucken, Griff zu den Rosinen. 1 EL, dann 2 getrocknete Pflaumen. Danach suche ich nach Frischobst. Der Apfel wird selbstverständlich nach alter Gewohnheit 30 Sekunden mit 38°C-heißem Wasser zwar nicht von seiner Wachsschicht, aber hoffentlich von den Spritzmitteln oberflächlich gereinigt. Die eine Apfelhälfte gelangt zerschnipselt in die Schüssel auf die Rosinenlage, die andere wandert gespalten in meinen Mund. Doch alles, was die Mahlzähne herauspressen können, ist leicht gesüßtes Wasser. Apfel, wo bist du? Meine Hand wandert über den Obstteller zu den Bananen. Ahja, genau, so groß sind die hier. Schälen ist einfach, Schale und Bananenfruchtfleisch sind in Europa zwei einfach zu trennende Angelegenheiten. Scheibchenweise gesellen sich die Obstkollegen zu den Apfelstücken. Die letzten 3 cm spazieren dann wieder testweise in meinen Mund. Moment, sind Bananen nicht süß, fruchtig? Selbst minutenlanges Bearbeiten kann den Geschmack nicht beeinflussen: die Banane hierzulande bildet nicht vielmehr als eine mehlige, ansatzweise süße Masse ohne jegliches Aroma auf der Zunge. Die Milch versöhnt mich schlussendlich doch noch mit meinem Müsli.
Ich werde nicht besonders viele lobenswerte Worte über die tansanische Esskultur verlieren, aber Äpfel aus Arusha, Bananen aus den Usambara Mountains und Cashews aus Süd-Tansania können wirklich einiges an geschmacklicher Leistung bieten. Vom Aroma reifer Tomaten aus dem Kilombero River Valley will ich gar nicht sprechen.