Mutterschutz
Ich muss meine Betreuerin ein wenig in Schutz nehmen. Selbstverständlich ist es auch ihr unangenehm, dass für mich Tag 1 bis 18 Uhr, Tag 2 bis 18:30 und Tag 3 bis 19:15 dauern musste. Ihr Problem: in drei Wochen ist sie weg vom Fenster und will bis dahin ihre zahlreichen Projekte mehr oder weniger abschließen. Daher die langen Abende. Außerdem kommt sie Freitags nicht ins Labor, was natürlich nicht bedeutet, dass ich deswegen auch fehlen darf. Morgen zum Beispiel werde ich Verdaue ansetzen und Gele laufen lassen. Praktisch, diese Wahlbeispiel-Leute, nicht? Man schickt sie kreuz und quer durch das Haus, hier ein Gel machen, dort einen Kolben holen, hier ein Photo machen, da einen Puffer wechseln - und sie können sich nicht einmal beschweren. Wo auch.
Was mich abgesehen von der unnötigen leeren Zeit, die ich herumstehe und nichts lerne, am meisten stört, ist, dass der Großteil der Gefäße nur dann mit kryptischen 2- Buchstaben-2-Zahlenkombinationen beschriftet wird, wenn ich an einem Tag besonders viel Glück habe. Ansonsten heißt es zwischendurch: Hol mal den Kolben mit den "Kompis". Das bedeutet für mich: In den 37°C-Raum gehen, alle Schüttler abstellen, jene Kolben und Eprouvetten suchen, auf denen die Nummer unseres Labs standardmäßig angeschrieben ist und dann raten bzw. hoffen, dass es sich um die gesuchten Zellen handelt. Mehr Beschriftung (Datum, Stamm, Sample No., ...) wäre zu teuer?
Interessant ist auch der Kontroll-Fanatismus, der mir schon bei meinem ersten Pipettierversuch aufgefallen ist. Offensichtlich hat meine Betreuerin in der Vergangenheit eine große Menge schlechter Erfahrungen gemacht. Zum einen mit Wahlbeispiel-Absolvierenden, die ihre Unfähigkeit offensichtlich auf den unterschiedlichsten Gebieten von Gelgießen bis hin zu Ausplattieren unter Beweis gestellt haben müssen. Zum anderen mit Resultaten. Bekanntlich führt man bei vielerlei Experimenten parallel Kontrollen durch, beispielsweise positive und negative Kontrollen, Ladekontrollen. Das ist ja einsichtig und nachvollziehbar. Jetzt zum Kontroll-Fanatismus: Wir machen erst einmal eine Menge Kontrollen. Um sicher zu sein, dass jede einzelne Kontrolle auch nicht fehlerhaft ist, machen wir für die Kontrollen weitere Kontrollen. Die Kontrollen der Kontrollen sozusagen. Oder die Doppelkontrolle. Aber danach wird es erst richtig spannend. Denn für die Doppelkontrolle gibt es eine weitere Kontrolle. Meine Betreuerin gibt selbst zu, dass sie vermutlich mehr Kontrollen macht als sonst irgendwer. In Plasmide klonierte Fragmente kontrollieren wir nicht 1x mit einem Restriktionsverdau, nein, denn man könnte sich ja trotzdem irgendwie vertun, sondern 3x mit verschiedenen Enzymen (von denen manche 6 Jahre alt sind, 4h schneiden und keiner weiß, ob sie wirklich gehen).
Was mich abgesehen von der unnötigen leeren Zeit, die ich herumstehe und nichts lerne, am meisten stört, ist, dass der Großteil der Gefäße nur dann mit kryptischen 2- Buchstaben-2-Zahlenkombinationen beschriftet wird, wenn ich an einem Tag besonders viel Glück habe. Ansonsten heißt es zwischendurch: Hol mal den Kolben mit den "Kompis". Das bedeutet für mich: In den 37°C-Raum gehen, alle Schüttler abstellen, jene Kolben und Eprouvetten suchen, auf denen die Nummer unseres Labs standardmäßig angeschrieben ist und dann raten bzw. hoffen, dass es sich um die gesuchten Zellen handelt. Mehr Beschriftung (Datum, Stamm, Sample No., ...) wäre zu teuer?
Interessant ist auch der Kontroll-Fanatismus, der mir schon bei meinem ersten Pipettierversuch aufgefallen ist. Offensichtlich hat meine Betreuerin in der Vergangenheit eine große Menge schlechter Erfahrungen gemacht. Zum einen mit Wahlbeispiel-Absolvierenden, die ihre Unfähigkeit offensichtlich auf den unterschiedlichsten Gebieten von Gelgießen bis hin zu Ausplattieren unter Beweis gestellt haben müssen. Zum anderen mit Resultaten. Bekanntlich führt man bei vielerlei Experimenten parallel Kontrollen durch, beispielsweise positive und negative Kontrollen, Ladekontrollen. Das ist ja einsichtig und nachvollziehbar. Jetzt zum Kontroll-Fanatismus: Wir machen erst einmal eine Menge Kontrollen. Um sicher zu sein, dass jede einzelne Kontrolle auch nicht fehlerhaft ist, machen wir für die Kontrollen weitere Kontrollen. Die Kontrollen der Kontrollen sozusagen. Oder die Doppelkontrolle. Aber danach wird es erst richtig spannend. Denn für die Doppelkontrolle gibt es eine weitere Kontrolle. Meine Betreuerin gibt selbst zu, dass sie vermutlich mehr Kontrollen macht als sonst irgendwer. In Plasmide klonierte Fragmente kontrollieren wir nicht 1x mit einem Restriktionsverdau, nein, denn man könnte sich ja trotzdem irgendwie vertun, sondern 3x mit verschiedenen Enzymen (von denen manche 6 Jahre alt sind, 4h schneiden und keiner weiß, ob sie wirklich gehen).
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