Freitag, Oktober 20, 2006

Once upon a time in the West

In Ifakara habe ich viel über das - man glaubt es vielleicht kaum - Fahrradfahren gelernt.
Vorweg: Seit mehreren Jahren besitze ich ein Mountainbike, das regelmäßig zur Schneeschmelze ausgemottet und in einen funktionsfähigen Zustand gebracht wird. An und für sich beherrsche ich das Fahrradfahren.
Dennoch sollte es einige Übungsfahrten dauern, ehe ich mich auf tanzanischem Boden halbwegs sicher und balanciert bewegen konnte.
Mit Radwegen habe ich schon im Voraus nicht gerechnet, auch der Mangel an bei dem Verkehrsaufkommen in Ifakara ohnehin überflüssigen Verkehrsregeln war mir bekannt. Gefahren werden darf überall, wo sich unbebaute Flächen befinden, vorwiegend herrscht Linksverkehr, im Zweifelsfall wartet der Fußgänger als schwächerer Verkehrsteilnehmer ab, während der Radfahrer als stärkerer Verkehrsteilnehmer sich den Vorrang nimmt. Die wenigen öffentlichen Busse hupen sich ohnehin lautstark ihren Platz herbei. Womit ich nicht gerechnet habe, war, dass die täglichen Fahrten vor allem in das Stadtzentrum über "unwegsames Gelände" führen, hierzulande in einer sehr abgeschwächten Version als "Weg mit Schlaglöchern" bekannt. Wenn sich allerdings mehr "Schlagloch" als "Weg" auf der Stecke zwischen Start und Ziel befindet, dann wird es eine abenteuerliche, holprige Reise. Besonders nachts. Wenn es dunkel ist. Schwarz. Mit hellen Punkten, am Himmelszelt - zu weit weg, um als "Beleuchtung" durchzugehen. Was lernt man? In erster Linie: Lenkrad festhalten und nicht aufhören, in die Pedale zu treten. Dann läuft man auch nicht in Gefahr, bei höheren Buckeln zurückzurollen, auf die Seite zu kippen oder in den Straßengraben (wahlweise ins Gebüsch) zu fahren. Das bedarf etwas an Übung - bisher war ich es gewohnt, holprige Stellen großräumig zu umfahren, Steine zu meiden und meinen Reifen möglichst zu schonen.
Aber wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, macht das Fahrradfahren durch die Palmenwälder an den Lehm- und Backsteinhütten vorbei in die Stadt richtig Spaß, besonders ab dem Zeitpunkt, zu dem sich die Kulisse scheinbar in jene eines ehemals transatlantischen Stadtbildes verwandelt: etwas breitere, nicht asphaltierte, staubige Hauptstraße, die zum Horizont zu führen scheint, gesäumt von unzähligen kleinen, farbigen Holzhäuschen mit Veranda, eine Staubwolke am Ende der Straße: echtes Wild-West-Flair.